Der Jahresanfang ist für viele von uns eine Zeit des Innehaltens.
Nach den Feiertagen, nach dem Zuviel an Essen, Terminen und Eindrücken, entsteht oft ganz von selbst der Wunsch, dem Körper eine Pause zu gönnen.

Ich habe mich in diesem Jahr bewusst für einen Dry January entschieden – einen Monat ohne Alkohol. Nicht aus Verzicht, sondern aus Neugier. Und aus dem Wunsch heraus, meiner Leber, meinem Hormonhaushalt und letztlich mir selbst etwas Gutes zu tun.

Meine Erfahrungen mit dem Dry January

Was mich ehrlich überrascht hat:
Es hat viel besser funktioniert als gedacht.

Zu meiner großen Freude hat mein Mann ganz selbstverständlich mitgemacht – völlig unabgesprochen. Das hat den Januar nicht nur leichter, sondern auch genussvoller gemacht. Statt Wein am Abend gab es kreative Mocktails, neue Rituale und die Erfahrung, dass Genuss nichts mit Alkohol per se zu tun hat.

Erst durch den bewussten Verzicht wurde mir klar, wie selbstverständlich Alkohol unseren Alltag begleitet – beim Essen, bei Treffen mit Freund*innen oder bei kulturellen Veranstaltungen.

Wie geplant habe ich den Dry January einmal unterbrochen, während meiner Reise nach Erfurt. Moderat, mit Genuss und ohne schlechtes Gewissen. Und genau das war spannend: Danach fiel es mir erstaunlich leicht, wieder alkoholfrei weiterzumachen.

Mein Fazit nach vier Wochen:
Ich habe besser geschlafen, mich insgesamt stabiler gefühlt – und für mich entschieden, Alkohol künftig sehr viel bewusster zu trinken. Wenn, dann selten. Und mit echtem Genuss.

Warum ein Dry January gerade in den Wechseljahren sinnvoll sein kann

In den Wechseljahren – und insbesondere in der Perimenopause – ist Alkohol kein neutrales Genussmittel.
In dieser Phase haben viele Frauen noch relativ hohe oder stark schwankende Östrogenspiegel, während Progesteron bereits deutlich abnimmt. Alkohol greift hier auf mehreren Ebenen ein.

Alkohol, Östrogen und die besondere Situation der Perimenopause

Alkohol verlangsamt den Abbau von Östrogen in der Leber. Das bedeutet: Östrogen bleibt länger biologisch aktiv. In einer Lebensphase, in der ohnehin häufig ein funktioneller Östrogenüberschuss besteht, kann das problematisch sein.

Studien zeigen, dass genau dieser Mechanismus das Brustkrebsrisiko erhöhen kann – insbesondere bei regelmäßigem Alkoholkonsum. Wichtig dabei: Das Risiko steigt dosisabhängig, aber auch geringe Mengen spielen bereits eine Rolle.

Alkohol, Brustkrebsrisiko und die Rolle der Leber

Die Leber ist das zentrale Organ für den Abbau von Hormonen – auch von Östrogen. Wird sie durch Alkohol regelmäßig belastet, kann das hormonelle Gleichgewicht zusätzlich aus der Balance geraten.

👉 Hier bietet sich eine interne Verlinkung an:
„Warum es gerade in den Wechseljahren sinnvoll ist, die Leber zu entlasten“
https://sonja-bienemann.de/leber-entlasten-nach-den-feiertagen/

Dieser Zusammenhang wird in der Diskussion um Frauengesundheit häufig unterschätzt.

Alkohol oder Hormontherapie – was Studien wirklich zeigen

Hormontherapie (HRT) steht in der öffentlichen Wahrnehmung oft stark im Fokus. Dabei zeigen große Studien und Metaanalysen ein differenziertes Bild:

  • Übergewicht und regelmäßiger Alkoholkonsum gelten als stärkere Risikofaktoren für Brustkrebs als eine individuell gut eingestellte Hormontherapie.
  • Alkohol wirkt hormonell, entzündungsfördernd und belastet Leber sowie Stoffwechsel – Faktoren, die sich in den Wechseljahren oft ohnehin verändern.

Das bedeutet nicht, dass Alkohol tabu oder HRT unkritisch ist.
Aber es lädt dazu ein, Risiken realistisch einzuordnen und den Blick auch auf Lebensstilfaktoren zu richten, die wir selbst beeinflussen können.

Alkohol und Herz-Kreislauf-Gesundheit in den Wechseljahren

Lange galt Alkohol – insbesondere Rotwein – als herzschützend. Diese Annahme wird heute deutlich kritischer bewertet.

Aktuelle Auswertungen zeigen:

  • Schon geringe Mengen Alkohol können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.
  • Regelmäßiger Konsum steht in Zusammenhang mit Blutdruckanstieg und Herzrhythmusstörungen.

Viele Frauen berichten in den Wechseljahren zudem über nächtliches Herzrasen. Alkohol kann dieses Symptom verstärken, da er das vegetative Nervensystem beeinflusst und die nächtliche Regeneration stört.

Darm, Schleimhäute und Mikrobiom – ein unterschätzter Zusammenhang

Ein weiterer Aspekt, der oft wenig Beachtung findet, ist der Einfluss von Alkohol auf den Darm.

Regelmäßiger Alkoholkonsum:

  • verringert die Vielfalt der Darmmikrobiota,
  • verschiebt das Verhältnis von günstigen und ungünstigen Bakterien
  • und kann im ungünstigen Fall die Darmschleimhaut schädigen.

Gerade in den Wechseljahren sind Schleimhäute insgesamt sensibler – nicht nur vaginal, sondern auch im Darm. Eine gestörte Darmschleimhaut kann Entzündungen fördern, das Immunsystem belasten und sich auf Stimmung, Energie und Hormonbalance auswirken.

Brain Fog, Demenzrisiko und Alkohol

Viele Frauen kennen ihn: den Brain Fog der Wechseljahre.
Alkohol kann diesen Zustand verstärken.

Studien zeigen, dass Alkohol:

  • Konzentration und Gedächtnisleistung beeinträchtigt,
  • neuroinflammatorische Prozesse fördern kann
  • und bei regelmäßigem Konsum das Demenzrisiko erhöht.

Auch hier gilt: Jede Reduktion ist ein Gewinn – kurzfristig spürbar und langfristig relevant.

Alkohol, Knochendichte und Osteoporoseprophylaxe

Ein oft unterschätzter Punkt in den Wechseljahren ist die Knochengesundheit.

Alkohol kann:

  • die Kalziumaufnahme im Darm vermindern,
  • den Kalziumverlust über den Urin erhöhen,
  • und damit langfristig der Knochendichte schaden.

Ein bewusster Umgang mit Alkohol ist daher ein wichtiger Baustein der Osteoporoseprophylaxe – neben Bewegung, Ernährung und ggf. hormoneller Unterstützung.

Genuss ohne Alkohol – bewusst statt dogmatisch

Ein schöner Nebeneffekt unseres Dry January:
Wir haben entdeckt, wie viele genussvolle Alternativen es gibt.

Bitterstoffe, Kräuter, Zitrusfrüchte, Gewürze – all das spricht unsere Sinne an und unterstützt gleichzeitig Leber und Verdauung. Genuss entsteht durch Aufmerksamkeit, nicht zwingend durch Alkohol.

Magst Du mir Dein Rezept für genussvolle, alkoholfreie Alternativen verraten?

Mein Fazit zum Dry January

Der Dry January war für mich kein Verzicht, sondern ein Erkenntnisraum.
Er hat mir gezeigt, wie stark Alkohol – oft unbemerkt – auf Hormone, Schlaf, Herz, Darm, Gehirn und Knochen wirkt. Und wie wohltuend es sein kann, dem Körper regelmäßig Pausen zu gönnen, ohne dem Leben den Genuss zu nehmen.

Mich interessiert sehr:
Hast Du auch am Dry January teilgenommen oder Deine Trinkgewohnheiten bewusster betrachtet?
Welche Erfahrungen hast Du gemacht?

Ich freue mich sehr, wenn Du sie mit mir teilst 💛